Clara werden – Folge 7 – Reisebeobachtungen auf Zypern

By
on
15. Juli 2020

Clara werden – Folge 7 – Reisebeobachtungen auf Zypern
Clara werden

 
Play/Pause Episode
00:00 / 39:51
Rewind 30 Seconds
1X

Clara auf Zypern

…und ab in die Flitterwochen

All Inclusive…. mmhh…ist ja eigentlich überhaupt nicht mein Ding… So Individual-Urlaub, fernab von Tourismus und Clubatmosphäre reizt mich schon eher. Und dennoch haben wir uns für unsere Flitterwochen für so einen Pauschalurlaub entschieden. Einfach aus dem Grund, weil wir mal nichts müssen wollen… nicht einkaufen… nicht kochen… nicht sauber machen usw. Daher lautet die Übung: Mach diesen Urlaub zu Deinem, auch wenn die Ausgangslage nicht den Vorlieben entspricht. Es ist ja oft so, dass man in Situationen gerät die nicht so sind wie man sie sich gewünscht oder vorgestellt hat. Und das Spannende ist ja dann, wie schaffe ich es, die Gegebenheiten für mich annehmbar und angenehm zu gestalten. Ich bin gespannt ob ich das schaffe. Aber es gibt mit Sicherheit schlimmere Ausgangspositionen als ein 5-Sterne-Hotel und die Aussicht auf 22 Grad im November oder? Also … auf nach Zypern…. Und ich hab Bauchkribbeln… der erste Relax-Urlaub seit 3 Jahren… der erste überhaupt seit anderthalb Jahren. Es fiel mir schon lange nicht mehr so leicht, die Koffer zu packen. Wenn ich beruflich viel unterwegs bin, bleibt ich auch gern in der Freizeit einfach nur zu Haus. Diesmal nicht. Der Flieger geht um 14.05 Uhr… ne Stunde Fahrt bis Schönefeld… Parkplatz gebucht…alles easy…. hoffe ich doch 😉

Im Flieger

Wir sitzen im Flieger. Viele fremde Menschen… klar. Ich knabbere Bananenchips… ganz vorsichtig… will ja keinen stören… Rechts neben mir mein Schatz, links neben mir ein junger Mann. Nett aber sehr beschäftigt und nicht sehr zugänglich. Ich würde ihm ja gern was von meinen Chips anbieten aber er guckt einfach nicht. Er schaut auf sein Handy und ich lunsche was er tippt und sehe eine Liste mit Worten: Meditation, Clean eating, Places to be, Positive thinking, Yoga… Schreibt der etwa auch einen Blog oder macht er einen Plan für seinen Urlaub?

… hab ihn dann doch noch angequatscht, denn seine Instagram-Fotos waren der Hammer. Geniale Yoga-Positionen an allen möglichen Orten der Welt. Und ich Eumel hab vergessen nach seinem Namen zu fragen. Hätte ich Euch gern mal gezeigt … schade.. naja. Neben solchen interessanten Dingen oder anderen Vorlieben hat wohl doch jeder Mann noch ne andere Ader: Nach zwei Stunden habe ich rechts und links neben mir zuckende Ellenbogen und auf dem IPad tippende Spielefinger… lach…

… nach 4 Stunden Flug schmerzt mein Rücken. Jedesmal wenn ich auf Reisen gehe, egal ob im Flieger oder Zug, frage ich mich, nach welchen Vorgaben die Sitze geformt wurden. Nach meinem Körperbau sicher nicht. Ich fühle mich jedes Mal wie verbogen. Rundrücken und nach vorn geknickter Kopf… geht Euch das auch so?… sind zum Glück gleich da….

Ankunft in Larnaca

So… angekommen… Und schwupps, finden wir uns in einer Reisegruppe wieder. So richtig mit Reiseleitung im Kindergartenjargon und lustigen Kommentaren einiger Spätzünder. Mein Schatz gibt gerade Entwarnung: Es ist nur der Flughafentransfer…puh… naja, ich fühle mich auch nicht wirklich reisegruppenreif und freu mich wenn wir abseits touristischer Führungen unser Ding machen können. Diese Touris sind doch auch immer irgendwie extra oder? Mit denen will ich nix zu tun haben…Grins… Neeeiiin… ich gehör nicht dazu…. Nee nee…

Also mal nicht so überheblich Frau Jantke. Im Notfall ist das eine schöne Übung, andere nicht zu bewerten, sondern alles mit den Worten: “Ist ja interessant” zu betrachten und im Idealfall herzlich zu lachen oder in sich hinein zu schmunzeln. Wir sind die Letzten auf der Auslieferungsliste, also betrachten wir die Insel schon mal eine Stunde lang bei Nacht. Mmhh… ziemlich duster dieses Zypern. Was auffallend anders war bei der Ankunft am Flughafen in Larnaca, also im Vergleich zu London oder Berlin… aaalles gaaanz entspaaannt. Sogar die Beamten am Checkout und in den anderen Airportbereichen. Die wissen einfach wie Urlaubsfeeling geht. Das gefällt mir.

Draußen sind 20 Grad um 19.30 Uhr. Unsere Reiseführerin sagte uns soeben, dass wir hier eine Stunde älter seien als in Germany. Ich wusste doch, irgendwie fühl ich mich anders. Wenn´s klappt nehmen wir nach unserer Ankunft noch das Buffet in Anspruch, damit lassen wir den Anreisetag ausklingen und bringen uns ganz leise und selig in Flitterwochenstimmung. Morgen zähl ich dann gleich mal die Schritte bis zum Strand. Laut Karte dürften es nicht viele sein. Ich freu mich drauf. Sand unter meinen Füßen… Meeresrauschen….sommerliche Temperaturen… und das Beste: es ist keine Saison. Im Vorbeifahren an den vielen vielen Hotels erkennen wir nur einen Teil davon als gut gebucht…. Freu freu…

Erster Urlaubstag

Ich fühl mich wie gerädert, aber das kennt man ja vom Reisen. Das Kopfkissen ist etwas zu kompakt und die Bettdecke viel zu dünn. Ich gestehe, ich schlafe auch bei sommerlichen Temperaturen gern mit flauschigem Bettzeug. Aber das Meeresrauschen war echt schön. Nicht von CD, sondern so richtig echt. Vorn am Strand sind schon welche fleißig am sporteln. Sieht gut aus. Mein Schatz mag sich auch nicht bewegen, der Ouzo war fuselig meint er. Davon hab ich keine Ahnung, ich hatte nur Applejuice. Das Frühstück war… naja… bin satt geworden und habe so eine Idee, dass all inclusive in big greek hotels is not really delicious. Ich nehme mir ein paar Trockenfrüchte vom Müslibuffet als Snack mit und beschließe für die kommende Zeit auf unseren Ausflügen mal die regionale Küche unter Geschmackskontrolle zu nehmen. Jetzt gehen wir erst mal kurz zum Reisegruppenmeeting ein paar Inseltipps fassen.

Strand!!! Yeah!!!

Moment-Update:
Atmosphäre: himmlisch
Geräusch : einzigartig und unverwechselbar
Geruch: leicht fischig
Temperatur: Grenze zu frisch
Kulisse: schön ist anders, aber der Blick aufs Meer ist unbezahlbar
Sonne: pur
Wind: herbstlich sanft ungestüm
Wellengang: malerisch
Touristen: wenig und friedlich
Gefühl: dem Alltag erfolgreich entrückt
Stimmung: entspannt gespannt
Gedanken: was schreib ich gleich in den Blog

Reiseroutenplanung: ui ui ui….
Fazit: wir brauchen ein Auto… Ich muss unbedingt in natürlichere Gegenden….

Resümee des ersten halben Tages in einem 5-Sterne-Hotel auf Zypern: Wenn ich ein Hotelktitiker wäre… eieieiei… Bin ich aber nicht und darf auf harte Kritik verzichten. Wer in Einzelheiten darüber erfahren möchte, darf mich gern anschreiben und Details erfragen 😉

Ich persönlich würde gern mal einen All Inclusive Urlaub mit 5 Sternen in Deutschland machen, um diesen Service wirklich so richtig genießen zu können. Aber das gab unser Hochzeitsbudget für dieses Mal nicht her. Also machen wir´s uns hier schön und erstmal Mittagsschlaf mit weit geöffnetem Fenster, Einschlummerblick aufs Meer und dem Vorhaben uns zu entspannen. Und dabei hilft uns nachher noch eine gebuchte Massage… seufz.

Bootstour – Cape Greco

Das war heute nicht der erfüllendste Urlaubstag. 5 Stunden auf einem Boot… leider zu voll, zu unbequem und zu laut. Für alle die gern schwimmen war´s sicher erfüllender. Was ich mir vorgestellt hatte? Tja das ist die große Frage, bei der ich erst mal in mich gehen und feststellen muss: zu viel und was anderes. Und da sind wir beim Thema, dass meine Vorstellung, nennen wir es auch gern meine Phantasie oder mein Wunschdenken, sich ganz klammheimlich in eine Erwartung verpuppt hat. Ich hab´s gar nicht so mitbekommen, erst als es nicht so wurde wie ich mir das ausgemalt, sprich erwartet hatte. Aber da ist es ja dann meist zu spät.

Also ausgedacht hatte ich mir Folgendes: Wir treffen uns mit entspannten, kommunikationswilligen Gleichgesinnten zu einer Bootsfahrt, sind schon alle im Bus fröhlich drauf und kommen ins Schnacken (nationalitätenübergreifend natürlich). Dann fahren wir an der Küste Zyperns entlang, hören dem Wind und dem Meer zu und genießen die Sicht und die pittoreske Landschaft.

Schnacken? Mit Ausländern??? (Sind wir ja hier fast alle) Sehr sehr schwierig und das liegt nicht an meinen unzureichenden Englischkenntnissen.

Um die Mittagszeit war ein Barbecue angekündigt. Ich sah uns alle irgendwo an einem beschaulichen Plätzchen sitzen und essen, quatschen und Sonne genießen, dann ein wenig bummelnd die Gegend erkundend, um bald darauf gemütlich wieder zurück zu fahren.

Wie es dann wirklich ist, hängt natürlich auch von meinem Empfinden und der daraus resultierenden Beschreibung ab, aber es war halt alles ein wenig anders. Das Boot hatte mehrere Ebenen mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten. Tische mit Stühlen, Seitenbänke, Fußboden. Wir ergatterten eine Holzbank direkt vor der kleinen Brücke, worin der Kapitän das Schiff steuerte. Vor-unter uns sammelte sich die Menschenmenge und verteilte sich überall dorthin, wo es möglich war Sonne zu erhaschen. Ich weiß gar nicht, ob einige einfach gern auf dem nackten Schiffsboden saßen oder ob es keine Stühle mehr gab. Es schien jedenfalls so, als wären nicht genug Sitzplätze vorhanden. Aber wahrscheinlich nur, weil bei dem Wetter keiner unter Deck bleiben wollte.

Am Anfang war alles noch schick. Dann nahm Allo das Mikrofon. Allo ist denke ich Mitte 40, wenig Haare, sieht gut aus. Er hat hier alles im Griff und fühlt sich auch für alles und jeden zuständig. Also wenn Allo nicht reden und versuchen würde witzig zu sein, wäre er irgendwie n’ cooler Typ. Aber er begann über das Mikrofon über Zypern zu plaudern. Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Gleich drauf noch etwas… erst wieder englisch.. dann deutsch… dann was auf Griechisch. Davor, dazwischen und danach versuchte er uns immer wieder animierend in Stimmung zu bringen, aber keiner wollte so recht mitmachen. Die Antworten blieben spärlich und ich gestehe, ich konnte mich zu keiner Unterstützung überwinden.

Wenn Allo dann vorerst fertig war mit seinen Ausführungen, spielte er griechische Musik ein und forderte und zum Tanzen auf. Die Touri-Mischung aus Schweden, Deutschen und ein paar Schweitzern ging minusmässig darauf ein. Und seine Späße, bei denen er den Leuten in die nackten Waden kniff oder an ihren Hüten rumspielte, ernteten ungläubige Blicke. Neben mir hörte ich jemanden fragen: „Was hat der denn genommen?“ Als er dann vor der Grotte, aus welcher Aphrodite dem Meeresschaum entstiegen sein soll, mehrfach von uns einforderte laut nach Ihr zu rufen, fühlte selbst ich mich nicht mehr albern genug, um mitzumachen. Wenn Ihr Euch meine Videos anschaut, bekommt ihr auch einen Live-Eindruck von Allo. Für die Filmqualität möchte ich mich hiermit entschuldigen, denn da war ich noch nicht so fit und hab alles mit Splice auf meinem Handy geschnitten, naja und viel zu unruhig gefilmt und gewackelt … also stellt Euch bitte drauf ein.)

Als es dann ums Barbecue ging und wir an einer Bucht ohne Ausstiegsmöglichkeit hielten, wurde mir klar, dass sich wohl die Vorstellung von meinem Barbecue erledigt hatte und es sich ganz anders und hier auf dem Boot abspielen würde. Mmhhh…  okay… ich entdeckte dann auch die Küche und das Fleisch am Spieß, welches am Grill im Freien gegart wurde. Es bot einen romantischen Anblick, aber nur so lange bis es hieß, es kann losgehen. Die Schlange an Hungrigen wurde mit System über das halbe Boot aufgestellt, mit Hilfe von Allos langbreiten Anweisungen und dann ging das Tellerfüllen und abfertigen los. Kurz danach saßen überall essende Menschen, aber nicht jeder hatte einen Tischplatz, so dass ich auf dem Weg zur Essenausgabe über essende Kinder und Jugendliche steigen musste, die es sich auf dem Schiffsboden bequem gemacht hatten. War spannend und interessant zu beobachten.

Wie liebevoll das essen ausgeteilt wurde, sieht man auch im Video. Aber lecker war´s, das möchte ich unbedingt betonen. Oder wie der Deutsche zu sagen pflegt: „Da kann man nicht meckern“ ….Habt ihr Euch diesen Spruch mal aufgetrudelt? Also mal analysiert wie das eigentlich gemeint ist? Wenn man etwas nicht kann bzw. tun kann, dann setzt es doch voraus dass man es gern möchte oder? Heißt hier also man möchte gern meckern, kann es aber nicht, weil es zu gut war. Impliziert das jetzt, dass die Deutschen, bzw. die, die das sagen, gerne meckern?

An einer weiteren Bucht, den Cape Greco Sea Caves, gab es noch mal eine Stunde Badepause. Schaut bitte im Video wie ich angezogen war…  Ich kann´s immer noch nicht einordnen, ob entweder ich ein völlig verschobenes Temperaturempfinden hatte, oder all die anderen, die sommerlich gekleidet die ganze Zeit ihren Körper in die Sonne und den für mich mehr als frischen Wind hielten oder sogar baden gingen. An den Sea Caves konnte man schön vom Meer aus die dort Badenden und von den Klippen springenden Menschen beobachten. Mutig … alle… außer ich. Alles in allem war es einfach eine sehr sehr lange Tour. Zu lang durch die Unmöglichkeit, es sich irgendwo richtig bequem zu machen. Aber das Glitzern des Meeres, fliegende Fische beobachten und die Sonne im Gesicht spüren… unbezahlbar.

Bootstour Teil 2

Was heißt eigentlich “typisch für… ”
… also typisch für Zypern… typisch für deutsche Touristen usw. Ist ja auch immer ´ne Perspektivfrage oder? Auch ´ne zeitliche Sache. Wenn ich nur für ein paar Tage hier bin, kann ich schauen, was mir in der Zeit häufig begegnet und das wäre dann meines Erachtens nach typisch. Also typisch zyprisch wären …? … Kann ich noch nicht sagen, da ich mich bisher leider noch nicht in das wirklich zypriotische Leben begeben habe. Noch sitze ich auf einem Boot mit 100 anderen Touristen. Allo textet uns weiterhin mehr oder weniger zu, man wird die restliche Zeit mit griechischer Musik bedudelt und ich merke eine leichte Überreizung meiner Sinne. Und mir fällt es schwer mich auf Genuss einzustellen.

Gelassen bin ich trotzdem, aber mir fehlt der richtige Zugang zu tieferer Entspannung. Okay ich versuch´s nochmal: Ommmm… Zack… und da ist er wieder: Allo mit seinen Ausführungen über Kap Greko, Connos Beach, Fig Tree Beach und die Geisterstadt Famagusta. Aber so richtig nah, um alles wirken zu lassen und visuell zu entdecken kommt man leider nicht. Die Küste ist zu weit entfernt. Aber ich erkenne zumindest, dass ich seine oder die Auffassung von Reiseführern vom “schönsten Strand von Zypern” nicht teile. Und mir wird wieder bewusst, wie unterschiedlich doch die jeweiligen Vorstellungen von etwas sind. Für den Einen ist der schönste Strand ein gepflegter Hotelabschnitt mit Liegen, Schirmen, WC und Bar, für mich wäre es eine Bucht, naturbelassen ohne Menschenmassen, mit natürlicher Geräuschkulisse.

Ich merke wie wichtig es mir ist, mich dahin treiben zu lassen und mich überraschen zu lassen was der Ausflug, den ich ohne detaillierte Reiseplanung antrete für mich bereit hält. Ich möchte so gern etwas von dem Land und seinen Bewohnern erfahren und ich fange gleich morgen damit an. Weg von den vorgetretenen Pfaden, weg von Sightseeingvorgaben und heruntergebeteten Fakten und Geschichtsdaten. Naja… ich kann nun sagen, ich bin einmal um halb Zypern geschippert. War ja auch nicht schlecht, war nur kein Clara Fall.

Östliches Zypern – Famagusta

Was ist schön… und wann ist ein Land bzw. eine Insel schön? Wenn das Auge sich nicht satt sehen kann? Wenn man sich vorstellen könnte, für immer da zu bleiben? Oder wenn die Mentalität der Menschen so einladend ist, dass man sich trotz karger Landschaft und Unaufgeräumtheit wohl fühlt? Ist das eine die äußere und das andere die innere Schönheit?

Im östlichen Teil von Zypern fanden wir heut alles. Auf dem Weg nach Famagustra liegen trockene karge Ebenen rechts und links der Straße. Die auftauchenden Städte und Dörfer wirken anmutig von weitem und bilden eine harmonische Kulisse. Näher betrachtet treten Details hervor, die Fragen nach dem zypriotischen Leben aufwerfen. Unzählige unfertige Häuser säumen die Ortschaften wenn man hindurchfährt, doch man hat nicht das Gefühl, als würde bald jemand einziehen, sondern als wäre der Bauvorgang abgebrochen.

Es ist Anfang November, es sind 28 Grad, die Sonne brennt. Für uns wäre es zu warm um draußen zu arbeiten. Wir beobachten Feldarbeiter, die ihre Köpfe vollständig eingepackt haben. Mit Hüten und Tüchern, um sich vor der Sonne zu schützen und ich versuche mir vorzustellen, wie es hier im Sommer sein muss. Die Reiseleiterin erzählte ja schon, dass im Sommer hier keiner was macht, außer baden zu gehen. Es ist einfach zu heiß. Für uns Deutsche Arbeitstierchen völlig unverständlich, 3 Monate nix tun. Aber hier nicht anders zu ertragen.

Auf der Suche nach einem nahen Punkt für ein paar Aufnahmen von Varosha, der Geisterstadt im Bezirk Famagusta, welches zum türkischen Teil der Insel gehört, treffen wir 2 zypriotische Männer bei der Gartenarbeit. Sie sind sofort offen für ein Gespräch, legen ihre Arbeit nieder und geben uns Tipps wie wir am besten zum Strand kommen, um ein Foto vom Sperrgebiet zu machen. Denn ganz ungefährlich soll die Aktion nicht sein. In dieses Gebiet darf man weder eintreten noch Fotos machen. Es gibt Grenzposten die das kontrollieren. Aber der Eine von beiden meint, heut ist es ruhig.

 

Ich frage ihn, ob ich ein Foto mit ihm machen darf, zur Erinnerung und er drückt mir ein Tomaten Pflänzchen in die Hand welches ich in die Erde setzen darf. Dann zeigt er uns sein Anwesen. Einen Olivenhain mit vielen anderen Pflanzen und Tieren, samt Hundebabies und Minischweinen. Und er schenkt uns von fast jedem Baum ein Souvenir. Wir bekommen eine Aubergine (von einem Strauch natürlich), eine Pecanuss, einen Granatapfel, eine Pomelo und 2 Limonen. Alles weitere lehnen wir herzlich dankend ab, denn im Hotel können wir leider nicht alles verwerten.

Ich freu mich wie ein Kind, alles mal in Natura zu sehen, was wir sonst nur aus dem Supermarkt kennen. Und ich freu mich auch riesig über die Geschenke, auch wenn ich jetzt alles schleppen muss. Das ist ein kleines Paradies hier, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Es ist nicht kraftstrotzend grün und lädt zum Wellnessen ein, es ist eher paradiesisch, weil es so weit entfernt vom Tourismus, so urig und unverbraucht da kurz vor dem Niemandsland liegt und so liebevoll bearbeitet wird. Danke für diesen Einblick, genau das war es wofür ich mich auf den Weg gemacht habe.

Varosha sehen wir nur aus der Ferne, man kommt nicht nah genug heran um Details zu erkennen. Vielleicht ist das aber auch besser so. Ich bin ja schon im eigenen Land nicht davon begeistert Gesetze zu missachten, da muss ich nicht im Ausland testen wie das ist. Mein Schatz macht ein Foto von weitem und dann geht´s zurück zum Auto.

Linksverkehr ist übrigens nix für Unkonzentrierte. Mein Schatz macht seine Sache echt gut auch wenn ich hin und wieder sage: „Bitte nicht ganz so weit rechts fahren, Schahatz!. Ich bin mir noch nicht sicher ob es gut ist, dass ich nicht als zweiter Fahrer zugelassen bin, oder schade.

Die nächste Anlaufstelle ist ein Supermarkt. Wir brauchen Wasser. Außerhalb der Hotelanlage nutzt uns unser All-Inclusive-Bändchen nichts, da müssen wir uns schon selbst kümmern und ich stöbere ja auch so gern in fremdländischen Einkaufsläden.

Der nächste Ort auf unserer Tagesreise ist ein Dörfchen (den Namen hab ich leider versiebt) von dem man liest es sei überhaupt nicht touristisch, schön ruhig gelegen mit Strand und Restaurants. Stimmt, man muss nur schauen, dass man nicht zu weit fährt, denn dann landet man in so neuangelegten Siedlungen, die nichts Dörfliches mehr an sich haben. Man sieht nur noch Neubauten die zum Kauf und zur Miete angeboten werden. Also kehren wir um und im Ort direkt ein, in die Kokos Taverne. Dort bestellen wir Meze, das wurde uns von Bekannten empfohlen die auch schon auf Zypern waren und mein Schatz trinkt das Nationalgetränk der Zyprioten bzw. der Griechen: Frappé.

Neben uns lassen sich nach einer Weile 3 gesellige Zyprioten nieder. Und als mein Schatz unseren Tisch mit den leergegessenen Tellern fotografiert (das ist eine meiner Lieblingsfotoserien von ihm) und auf einen der typisch griechischen Plastikstühle steigt, beginnen sie, uns besorgt anzusprechen und die Situation endet in einer lockeren Plauderei über Zypern und Deutschland, über Fussball und Essen… einfach schön. Ich hab bisher immer nur gehört, wie freundlich die Griechen sind. Heut hab ich´s genau so mehrmals erlebt. Eine Wohltat nach den vielen Hotelgästen, denen man leider nicht anmerkt, dass sie gerade eine schöne Zeit verbringen und glücklich darüber sind.

Wir drehen noch eine Runde zu Fuß durch den Ort, begucken Wäschebehangene Hinterhöfe, blumenüberschmückte Verandas  und hauseigene Schrottplätze, genießen die Ruhe und die sympathische Normalität dieses Örtchens, bevor wir aufbrechen. Satt und müde und nett unterhalten machen wir uns auf den Rückweg. Wir wollen vor der Dunkelheit zurück sein und die setzt hier im November genau wie bei uns gegen 17 Uhr ein…

Jetzt lieg ich auf meinem Hotelzimmerbett und lasse mit diesem Aufschreiben hier den Tag Revue passieren. Also Zypern ist schön, aber es sind nach heutigem Standpunkt weniger die visuellen Eindrücke, die diese Bewertung in mir formulieren, sondern eher das Wesen seiner Landsleute, die die Insel erlebenswert machen. Die Landschaft bringt mich nicht zum Staunen, vielleicht erwarte ich ja aber auch wieder nur zu viel und diesen Wow-Effekt, den ich gern hätte. Ja wo gibt es den eigentlich? Das Leben hier ist ein völlig anderes als bei uns, klar! Tauschen möchte ich nicht, aber eintauchen für ein paar Tage, das lohnt sich.

Nicosia

Nach einem faulen Tag am Strand machen wir uns heut wieder auf den Weg, die Insel zu entdecken und fahren in die Hauptstadt Nicosia. Das Besondere an der Stadt ist die Teilung in einen griechischen und einen türkischen Part, ähnlich wie Berlin zu DDR-Zeiten. Wir parken etwas außerhalb und laufen los mit unseren Kameras. Wir sehen aus wie Touris, nur ohne Reisegruppenanhang. Das schöne ohne Anhang ist, wir können uns treiben lassen. Müssen nicht aufpassen, den Anschluss zu behalten und keiner zählt uns pausenlos geschichtliche Fakten auf. Mag sein dass das dazu gehört, mir liegt es eher die Stadt zu erfühlen und mit der Kamera visuell zu erkunden. Wir werden uns auch heute nur auf den griechischen Teil beschränken, denn unsere Pässe liegen sicher im Hotelsafe. Wir haben mal eben vergessen, Sie mitzunehmen, um über die Grenze gehen zu können. Egal, wir stehen kurz mal davor, sehen die Menschenschlange und denken: alles gut so.

Man kann nicht sagen dass Nicosia unheimlich schön ist. Es gibt ein paar zauberhafte Straßen und Plätze. Alles ist jedoch sehr heruntergekommen und hat zum Teil aber auch einen urigen Charme. Ich frag mich immer, wie die hier Lebenden sich fühlen wenn sie mal nach Deutschland kommen. Klar ist bei uns auch nicht alles immer nur schick, aber im Vergleich doch schon sehr viel mehr. Hier findet man mitten zwischen Wohnhäusern eingefallene Mauern, leerstehende völlig eingestaubte Geschäfte und Ruinen. Für uns Vintage – und Trash-Foto-Junkies geniales Futter für die Linse, aber einem angenehmen Wohnumfeld eher nicht zuträglich.

Die vorbeigehenden Einheimischen schauen uns auch oft irritiert an, wenn wir vor den kaputten Fenstern und Häusern stehen bleiben, um sie zu fotografieren. Für mein Auge ist das Unperfekte und aus dem hiesigen Leben entstandene unglaublich reizvoll und muss unbedingt betrachtet und festgehalten werden. Leben möchte ich hier auf keinen Fall, auch wenn die Griechen die Atmosphäre extrem aufwerten.

Es begegnen uns wieder überaus freundliche Zyprioten. Besonders im Verkehr sind sie äußerst gelassen. Sie warten wenn wir fotografierend die Straße blockieren und fahren dann noch winkend und lächelnd an uns vorbei. Sie lassen sich auch bereitwillig von uns ablichten. Nirgendwo hab ich bisher eine negative Geste oder ein missbilligendes Wort dazu gehört und ich bin sonst immer die erste die sowas zu spüren bekommt. Deshalb hab ich mir auch weitestgehend abgewöhnt, ungefragt jemanden zu knipsen. Aber hier wäre das kein Problem. Außer an der Grenze. Dort untersagt man uns jegliches Fotografieren. Dabei ist das Motiv echt reizvoll. Ein zypriotischer Soldat mit seiner Waffe an seinem Stützpunkt und hinter ihm die türkische Flagge und die Türme einer Moschee.

Die Stadt hat internationales Flair. Ich schnuppere in zwei indische Geschäfte hinein, es laufen viele dunkelhäutige Menschen und Asiaten durch die Straßen und natürlich gibt´s ne Menge türkischer Einwohner. Die scheinen mir allerdings nicht ganz so offen und unkompliziert wie die Griechen. Ich möchte gern wissen, was Zypern für sie so lebenswert macht. Mir fällt es schwer allein Ansätze zu finden, denn unser Leben zu Hause scheint mir so viel angenehmer. Bunter, sauberer, geordneter, reicher an visuellen Kostbarkeiten. Luxuriöser. Sicher hat das auch mit unserem ganz persönlichen Umfeld zu tun. Mit meiner Arbeit, unseren Freunden, unserer Umgebung. Ich nenne es mal Luxus den wir leben, obwohl es uns normal erscheint. Aber wenn man manchmal so vergleicht, dann fühl ich mich reicher als ich es bin, wenn ich zu Hause bin und für meinen Lebensunterhalt sorge.

So eine Reise birgt doch immer enorme Schätze in sich. Und sind es nicht die Sehenswürdigkeiten und die Landschaften die mich flashen, dann die Erkenntnisse über meinen ganz persönlichen Reichtum der nicht darin liegt eine Million auf dem Konto zu haben.
Letztens meinte ein Engländer: aahh… you are from germany… oh thats a rich country…. ja… auch wenn es nicht allen so gut geht wie uns, der Standard unseres Heimatlandes ist schon ein sehr hoher.

Wir erkunden jede kleine Gasse und landen irgendwann, sofort erkennbar, in der Einkaufsmeile der Stadt. Dort erstehe ich 3 neue bunte Tücher, passend zum Herbst in Germany. Auch wenn Shopping im Urlaub nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt, mag ich es, etwas von jeder Reise mitzubringen. Am liebsten etwas was nicht nutzlos rumsteht oder wenigstens einen feminin sinnvollen Schmuck ergibt. Es ist auch nicht so, dass ich keine Tücher besitze, nur in ausgerechnet den Farben hab ich noch keins. Der Verkäufer schmunzelt, als wir uns darüber unterhalten. Er fragt mich, wie viele Schuhe ich zu Hause habe und erzählt von seiner Frau und ihrem Schuhtick und dass er das nicht wirklich verstehen kann. Gesprächig sind die Menschen hier immer und geben gern etwas von sich. Und ich habe nun auch etwas aus diesem Urlaub, was ich mit nach Hause nehmen und vor allem benutzen kann. Es dürfte auch das Gewicht meines Koffers nicht allzu sehr strapazieren. So typisch griechisch ist es zwar nicht, ich habe aber auch nichts dergleichen gefunden.

Zwischen vielen Souvenirshops findet man Restaurants vieler verschiedener Nationalitäten, leider auch viel Fast Food. Wir essen eine Kleinigkeit in einer kleinen Taverne an der Straße und beobachten die vorübergehenden Leute. Am Nebentisch sitzen 2 türkische Männer, essen Oliven und Salat und teilen sich Raki. Sie schauen hin und wieder zu uns, aber wir kommen erst am Ende unserer Pause ins Gespräch und ich spüre einen Unterschied zwischen den griechischen und den türkischen Unterhaltungen. Die Griechen sind so unkompliziert offen, interessieren sich sehr für das Leben außerhalb und für uns. Bei den Türken schwingt ein bisschen Machogehabe mit und sie müssen viel von sich erzählen. Ob alle so sind weiß ich natürlich nicht, alle gleich sind sie bestimmt nicht. Egal, morgen im Hotel haben wir wieder viele russische Urlauber um uns herum, die weder grüßen noch mit uns reden, da ist jegliche andere Kommunikation wertvoll.

Miturlauber

 

Dieses ältere Pärchen, welches jeden Abend bei einem Getränk auf der lila Couch regungslos nebeneinander sitzt, nach vorn schaut und kein Wort wechselt, wenn sie in der Lounge den Abend ausklingen lassen. Und wenn sie sich mittags essen holen, schlurft sie in einem süßen Schneckentempo an den Tischen vorbei, so dass man am liebsten fragen möchte, ob man ihr was bringen darf. Neulich abends hat sie jedoch in der Lobby getanzt. Vielleicht spart sie sich einfach immer nur die Energie für sowas auf.

 

Das wohlgenährte Pärchen aus dem Ruhrpott, sie unheimlich liebenswert, ich könnte ihr stundenlang zuhören, weil sie eine so herzlich unaufdringliche und reine Art hat zu erzählen. Er Staatspolizist mit schaurigen Geschichten, die meine rosa Welt bedrohlich aus dem Gleichgewicht schubsen. Lieblingsphrasen: ich erzähl Dir keinen Scheiß, ganz ehrlich, das ist wirklich so, glaub mir…

 

Das junge russische Pärchen. Er geht immer ein Stück vor ihr, nimmt aber ihre Hand um zu demonstrieren: das Mädchen mit diesem extrem geilen Body und diesem unübersehbar hochgeschnallten Busen gehört zu mir. Sie trägt ihn (den Busen) stolz und präsent vor sich her und lasst sich gern von ihm (dem Mann) vorzeigen.

 

Das Engländerpaar um die 65. Sie, eleganter Habitus, typisch englische feine Madame, aber sehr warmherzig. Er kommunikativ und totaler Gentleman, talkt mit mir an der Bar in kürzester Zeit über London, Germany, Fußball und Politik, bis er sich höflichst verabschiedet um seiner Lady den bestellten Cocktail zu kredenzen.

 

Familie Krause die bei jedem Aufeinandertreffen liebenswert zwei drei Worte wechseln und den Großteil ihres Urlaubs mit Ipads spielend in der Lounge anzutreffen sind. Hin und wieder tauschen sie die Plätze aber die Haltung ist immer gleich. Sie, klein und gnubbelig, liegt mit dem Kopf halb auf der Arm- halb auf der Rückenlehne, Beine lang. Er sitzt in der Ecke der anderen Couch und spielt…

Immer die ersten am Mittagsbuffet, strahlen eine Kleine-Welt-Routine mit seeliger Allinclusive-Zufriedenheit aus und man begegnet sich gern.

Warum ich mich auf zu Hause freue.

Erstens:

Ich liege in meinen Flitterwochen am Strand bei wohligen 25 Grad, im November wo in der Heimat oft der Miesepeter um die Häuser schleicht. Ich vermisse gerade nicht wirklich etwas. Vermissen geht anders. Es ist alles da was ich brauche. Sogar viel mehr als das. Es ist im Überfluss da. Und wenn was fehlt, kann man es kaufen. Aber es ist die gewisse Qualität, die den Unterschied macht und ich glaube da beginnt mein ganz persönlicher Luxus, den ich mag, mir gönne und der nicht überlebenswichtig ist, aber die Seele streichelt.

Ich beginne mal mit Dingen die man nicht kaufen kann, wie z.B. das Umfeld.
Ich meine z.B. Mitmenschen, die mich umgeben und meine Wege kreuzen. Das können wir uns zwar auch nicht immer aussuchen, aber in unserem Wohnumfeld zu Hause gibt es viele Menschen, die im Alltag ein durchaus sympathischeres und freundlicheres Wesen an den Tag legen, als hier im Hotel diejenigen, die Urlaub machen und eigentlich schon deshalb richtig gut gelaunt sein müssten. Aber allgemeine Ignoranz von Begrüßungen und Gesten von Desinteresse gehören hier zum Urlaubsalltag. Hin und wieder spiele ich mit mir das Spiel: Mal sehen ob ich den zum Lächeln kriege. Klappt nicht so oft wie ich es im November bei 25 Grad und Meeresrauschen erwartet hätte. Schade.

  1. KommunikationEtwas schwierig. Nicht das ich mich sträube eine andere Sprache zu sprechen. Im Gegenteil, ich würde mein Englisch gern viel mehr schulen, aber die Kommunikation beläuft sich hier im Hotel wie auch in der näheren Umgebung auf die Grundversorgung mit Informationen. Das heißt, Hauptsache man kann irgendwie vermitteln was man will, es kommt dabei nicht auf die richtige Anwendung von korrekten Worten, sowie Grammatik oder Satzaufbau an. Also alles was ich lerne ist wie es auch geht und zwar sinnbildlich auf sehr unkorrekte (auf die Sprache bezogene) Art. Wo ich doch so ein Sprachmonk bin und gern alles richtig machen möchte.

Die Griechen bzw. Zyprioten sprechen alle irgendwie Englisch, aber eben meist nur die Behelfsvariante. Die russischen Urlauber hier sprechen gar nicht, weder englisch noch überhaupt mit anderen Nationalitäten. Ich habe gehört, sie tun es aus ihrer Unsicherheit heraus, nicht weil sie kein Englisch können. Ich wusste gar nicht, dass man Lächeln oder nicken vom Russischen übersetzen muss. Na egal. Die Einzigen mit denen man sein Englisch pflegen und aufpeppen kann sind … na? … klar, die Engländer, vorausgesetzt man erwischt einen ohne ausgeprägten Akzent. Auch nicht so einfach, denn die Engländer sind hier leider in der Unterzahl. Die Deutschen untereinander erkennt man sofort, auch wenn sie nicht alle von selbst ein Hallo über die Lippen kriegen, so reagieren sie doch meistens auf Grußworte und Gesten.

Ansonsten ist das gegenseitige Interesse der Menschen an anderen Menschen relativ gering, wenn ich es nicht gerade versuche hochzuhalten. Na wenigstens die Katzen bekommen hin und wieder Aufmerksamkeit. Das zeigt mir, dass die Leute nicht ganz ohne Emotionen in den Urlaub gefahren sind und ich freu mich über diese Tierliebe. Bin auch ein bisschen neidisch auf die Schnurrer. Ihr Vorteil ist wahrscheinlich, dass sie einfach nur da sind und nicht ständig grüßen oder reden wollen wenn man sich begegnet. Ich finde es ja immer spannend wenn die Fahrstuhltür aufgeht, wer da gerade drin steckt, wie sie auf unser Hallo reagieren und was man in den 10 Sekunden bis zum nächsten Halt alles voneinander erfahren kann ohne Fragen zu stellen, sondern einfach durch Aktion und Reaktion.

Außerdem interessiert es mich, woher andere Urlauber kommen und was sie so machen und muss aufpassen, dass ich manchen mit meinen Fragen nicht zu nah trete. Die 2 Damen aus Rostock z.B. wollten uns nicht verraten was sie beruflich machen. Weil sie zu oft schon deswegen sofort in Anspruch genommen wurden und im Urlaub einfach davon Abstand halten wollten. Sie haben es uns leider auch kurz vor der Abreise nicht verraten und sind klammheimlich abgereist.
Es ist nicht so dass ich immerzu mit anderen kommunizieren muss, ich kann auch echt gut allein sein oder nur mit meinem Schatz schnacken oder auch diskutieren. Aber wenn Menschen da sind, von denen die meisten mehrmals am Tag Deinen Weg kreuzen, dann find ich es total natürlich und erfrischend, Kontakt aufzunehmen und sei es nur durch Blicke. Will hier aber kaum jemand.

  1. Sauberkeit und OrdnungÜber Sauberkeit kann man ja auch ohne Ende mit verschiedenster Auffassung diskutieren und über Ordnung erst recht. Ich mag weder alle Kleinigkeiten aufzählen und anprangern, noch ist mein Hotelzimmer im Urlaub das Ordentlichste der Welt. Man hat seine eigenen Ansprüche, denen man zu Hause nachkommt und von denen man anderswo etwas abweichen muss um nicht in ein tägliches Mosern zu verfallen. Ich stelle nur immer wieder für mich fest, dass eine aufgeräumte und saubere Umgebung mein Wohlgefühl enorm steigert und zur Entspannung beiträgt. Ich bin da aber auch sehr speziell, andere könnten es anstrengend nennen.

Egal, das Hotel ist okay, die Insel an sich auch. Wenn ich hier leben sollte, würde ich erst mal alle Hinterhöfe in den Städten entmüllen und den Herrn Rach in die Tavernen schicken, lach. Der hätte hier viel zu tun und ich auch. Wenn man mal wieder weit weg war, bekommt man einen wertschätzenderen Blick auf das im Vergleich akkurate und gepflegte Germany.

  1. Kulinarische FeinheitenAußerheimatliche Küche ist spannend. Ich liebe es, fremdländische regionale Gerichte zu probieren. Außer in Hongkong, da habe ich ein paar Grenzen aufgestellt. Mein Probierspielraum beläuft sich da eher auf die Zubereitungsart mit Hilfe von Gewürzen und Garmethoden. Was die Verwertung und Verarbeitung für mich ungewöhnlicher, vor allem tierischer Produkte und die Aufwertung von Nahrungsmitteln durch künstliche Zusatzstoffe angeht, habe ich so meine Beklemmungen. Sicher gibt es noch mehr Bereiche, über die ich mir grundsätzlich und nicht nur im Ausland Gedanken machen sollte. Z.B. Massentierhaltung, Genmanipulation, Zusatz- und Giftstoffe, Unfair-Trade usw. … Aber noch bin ich nicht auf einer so umfassenden Bewusstseinsstufe angekommen, auf der ich in allen Bereichen ethisch und moralisch korrekt handle. Daher erfolgt meine Meinungsäußerung auch nie mit Vollständigkeits-und Korrektheitsgarantie.

Jedenfalls sind regionale Köstlichkeiten auf Normalkost-Ebene ein Muss. Hier auf Zypern wurde uns Meze empfohlen. Vergleichbar mit spanischen Tapas, halt nur griechisch. Oliven, getrocknete Tomaten, griechischer Salat, Tsatsiki, Fleischbällchen und diverse andere Vorspeisen und Fleischzubereitungen zum “Alles-mal-probieren“. Hier im Hotel gibt es auch jeden Abend eine große Bandbreite von Gerichten, wobei man hier nie genau weiß, was regional ist und was welcher internationalen Küche versucht wurde nachzuempfinden. Wenn da also steht “Französischer Abend” erschließt sich mir die Lasagne nicht ganz, vielleicht sollte es eine Quiche werden, aber dafür stimmten die Komponenten nicht. Am orientalischen Abend gab es u.a. Schweinefleisch süß sauer auf eigene griechische Art aus der asiatischen Richtung.

Die Nachspeisen sind an jedem Themenabend gleich: sahnig, cremig, zuckerig, schmecken hier und da ein wenig nach Räucherstäbchen oder Seife, sind zum Teil aber auch zu lecker. Man findet immer einen Topf mit Pasta mit sehr weich gekochter Basis und eine Suppe. Es gibt jeden Abend 4 verschiedene Fleischgerichte und mindestens eins davon ist geschmacklich immer hervorragend wobei nur in 2 von 10 Fällen der Garpunkt nicht überschritten wurde. Die Salatvariationen sind vielfältig und erinnern an einige Gerichte und Zutaten vom Frühstücks- oder Mittagstisch, wobei ein Salat bei uns nicht nur ein Zerstückeln der Hauptzutat plus Hinzugabe eines Dressings ist. Hier hin und wieder schon. Ich schmunzle und sehe gerade den Eiersalat von gestern Abend vor mir. Tzatziki ist hier wahrscheinlich mit Rücksicht auf Pärchen ohne Knobi, was ich sehr schade finde, denn die Basis aus Quark, Gurke Kräutern etc. ist fantastisch, genau wie das ernährungswissenschaftlich verfluchte Weißbrot.

Etwas was mir persönlich auffällt ist, dass die Feinheiten, die wir bei der Zubereitung und Darreichung unserer Speisen einfließen lassen, hier nicht praktiziert werden. Ein Gulasch oder ähnlich zubereitete Fleischspeisen sind immer versetzt mit Knochen und Fett. Alles ist irgendwie grober als bei uns, es liegt nicht so viel Bestreben darin, das Essen mundfertig zu servieren.
Andererseits dauert das Essen dadurch auch länger und vielleicht ist das der Sinn. Wenn man die Zyprioten bei ihrem Mahl beobachtet, ist es eine Wonne wie sie es langsam und genussvoll zelebrieren.

Das interkontinentale Frühstück ist nicht weiter erwähnenswert und birgt weder Überraschungen noch gaumenschmeichelnde Köstlichkeiten. Wenn man sich entscheidet, außerhalb des Hotels zu essen, erlebt man mit Sicherheit ganz tolle regionale Spezialitäten, muss sich aber auch mit Punkt Nr.3 auseinander setzen.

All inclusive Getränke sind auch ein Thema für sich, denn Hochwertigkeit steht leider nicht mit in der Karte. Bier hat hier nie Schaum und kaum Kohlensäure, ich möchte mal das Gesicht eines deutschen Biertrinkers sehen, wenn er bei uns so ein Bier serviert bekommt. Keine Ahnung woran es liegt, dass die Sahne hier immer flockt, egal ob im Schwarztee oder in der Pina Colada. Und Teetrinker sind die Griechen wohl generell auch nicht. Ich trinke bei uns gern mal einen Apfelsaft, weil dem am seltensten Zucker zugegeben wird. Hier ist dieser so zuckerig, dass man selbst beim Mischen mit Wasser die Glucose im Glas schwirren sieht. Ich bin zwar kein Kaffeetrinker, aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass auch da so einiges nicht dem Geschmacksstandard der Deutschen standhält, mal abgesehen vom Frappé, der ist eine vorzügliche Ausnahme.

Alles in allem lässt sich beim Vergleich auch hier für Deutschland ein paar Punkte mehr verteilen, am Ende ist es aber in diesem Bereich mehr als in allen anderen, Geschmacksache.
Den griechischen Salat werden wir auf jeden Fall, schon aus Erinnerungsgründen, mit auf unsere Zu-Hause-Speisekarte nehmen.

Was ich gern von hier mit nach Hause nehmen würde:

  • Die Temperaturen und den kurzen Weg zum Strand
  • Die Offenheit der Einheimischen
  • Die beiden chinesischen Masseurinnen

Was ich überhaupt nicht vermissen werde:

  • Ziemlich unleidenschaftliches und unpersönliches Personal, am sympathischsten und freundlichsten waren unsere Zimmeraufräumerinnen und die beiden schon oben erwähnten chinesischen Masseurinnen. Dies Sympathie beruhte sogar auf Gegenseitigkeit.
  • Menschen die Urlaub haben und keine Freude ausstrahlen
  • Der Baulärm vom Abrissgeschehen der Nachbarhotels
  • Den Animateur, der eher wirkt wie ein Hausmeister, welcher dazu verdonnert wurde, in der Nachsaison die Gäste mit Bingo, Boccia und Minidisco zu bespassen
  • Black-Beutel-Tea
  • Die Bettdecken, bestehend aus einem Laken und einer sehr dünnen und etwas zerschlissenen Überdecke
  • Die ungrüne farbarme Umgebung
  • Eine Hotelrezeption (ich möchte vorher kurz nochmal erwähnen dass es sich um ein 5*Hotel handelt) die mich jedes Mal mit großen Augen anschaut wenn ich eine Frage oder Bitte habe, welches ich wie folgt interpretiere: Was willst du denn schon wieder? Muss ich jetzt wirklich bei irgendwas behilflich sein? Unglaublich, da krieg ich sogar n’ Hals und bei mir dauert das echt ne Weile.

 

Was ich gern zu Hause weiterführen möchte was ich hier oft gemacht habe:

  • Massagen und zwar gegenseitig im Selbstlern- und Selbstanwendungsverfahren
  • Tägliches Meditieren
  • Kuscheleinheiten
  • Innehalten
  • Es egal sein lassen was andere über einen denken wenn man ungeschminkt und im Schlumperlook durch die Gegend huscht
  • Alle schönen Dinge von unserer Heimat und unserem zu Hause schätzen

Was ich nicht mehr tun werde was ich hier getan habe:

  • All inclusive Urlaub buchen

 

 

 

TAGS

LEAVE A COMMENT

Kathrin Clara Jantke
Cottbus

Ich bin Clara... und ich werde Clara.... Clara als Mensch und als Musikerin, denn ich bin auf dem Weg zu mir. Was mir auf diesem Weg begegnet, was mein Leben bewegt und wie ich die Welt sehe, das erfahrt Ihr hier in diesem Blog und in meinen Songs. Ich nehme ich Euch mit auf meine Reise und vielleicht findet Ihr ja auch den ein oder anderen Impuls für Euren Herzensweg.

Bloghinweis

In der Rubrik "Clara werden" findet Ihr chronologisch alle Beiträge (neueste zuerst), die ich jeh in diesem Blog veröffentlicht habe. Wenn Ihr dort lest könnt ihr nichts verpassen.

In den anderen Rubriken sind die Artikel thematisch sortiert, falls Euch nur bestimmte Bereiche interessieren..

Suche
Bestell Dir den Newsletter!
... und erhalte Infos zu neuen Blogartikeln, ganz persönlichen Gedanken und Sonderaktionen rund ums "Clara werden"

Social Media
Instagram
Instagram hat keinen Statuscode 200 zurückgegeben.

Folgt mir auf Instagram!

Letzte beiträge